Eltern haben Anspruch auf Zugang zum Facebook-Account der verstorbenen Tochter (BGH, Beschl. v. 27.08.2020, Az. III ZB 30/20 – Digitales Erbe)

In der Entscheidung "Digitales Erbe", Urteil vom 12. Juli 2018, Az. III ZR 173/17, BGHZ 219, 243, hatte der Bundesgerichtshof BGH bereits festgestellt, dass den Erben Zugang zu dem Facebook-Konto eines verstorbenen Erblassers zu gewähren ist. Facebook überließ den Erben daraufhin allerdings nur tausende Seiten PDF-Dateien auf einem USB-Stick, anstelle ihnen Zugang zum Konto ihrer verstorbenen Tochter zu gewähren.

Das LG Berlin erließ daraufhin zwar auf ein Zwangsgeld gegen Facebook (ZUM-RD 2019, 613). Das Kammergericht Berlin hob dieses Urteil des LG Berlin jedoch auf (MMR 2020, 183) – Facebook sei mit Übergabe des USB-Sticks mit den PDF-Dateien seinen Auskunftsverpflichtungen aus dem Urteil des BGH nachgekommen.

Nun stellte der BGH klar, dass den Erben Zugang zu dem Benutzerkonto der Tochter zu gewähren ist (mit Ausnahme einer aktiven Nutzung), die Übergabe eines USB-Sticks mit Dateien also nicht ausreichend ist, Beschluss vom 27.08.2020, Az. III ZB 30/20.

Wir haben die Erben in dem Verfahren "Digitales Erbe" sowie jetzt im Zwangsvollstreckungsverfahren vertreten; bei Fragen wenden Sie sich bitte an RA Christlieb Klages.

Vor dem BGH vertrat die Erben RA BGH Dr. Rädler von Mennemeyer & Rädler.

Pressemitteilung des BGH

S. auch z.B. hier:

Tagesschau vom 08.09.20

RBB24 vom 09.09.20

https://www.sueddeutsche.de/digital/social-media-facebook-digitaler-nachlass-1.5025513

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Facebook-muss-Konto-von-verstorbener-Tochter-fuer-Eltern-oeffnen-4888695.html

https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/bgh-iii-zb-30-20-digitaler-nachlass-erben-bekommen-zugriff-auf-facebook-konto/

Kammergericht urteilt im Rechtsstreit über die Vererbbarkeit der Inhalte eines Facebook-Accounts zu Lasten der klagenden Mutter

Das Kammergericht hat mit Urteil vom 31. Mai 2017 zum Aktenzeichen 21 U 9/16 das Urteil des Landgerichts Berlin vom 17. Dezember 2017 aufgehoben und den Anspruch der von uns vertretenen Mutter einer minderjährig Verstorbenen auf Zugang zu deren vollständigen Facebook-Account inkl. den darin enthaltenen Kommunikationsinhalten abgelehnt.

Nach Ansicht des Kammergerichts steht das Fernmeldegeheimnis dem Anspruch der Erbengemeinschaft, bestehend aus den Eltern der Verstorbenen, entgegen. Da sich die Inhalte des Facebook-Accounts nach wie vor auf den Servern des Providers befänden greife vorliegend - im Einklang mit einer älteren Entscheidung des BVerfG in Bezug auf E-Mails - das Fernmeldegeheimnis.
Zu Gunsten der Eltern bestehe weder eine spezialgesetzliche Regelung, die im Interesse der Erben einen Eingriff in das Fernmeldegeheimnis anordnet, noch läge eine Einwilligung der Kommunikationspartner der verstorbenen Tochter vor. Diese könne auch nicht vermutet werden.
Die Frage, ob ein Facebook-Account bzw. dessen Inhalt überhaupt vererbbar ist, hat das Kammergericht hingegen offen gelassen.

Das Kammergericht hat die Revision zum BGH zugelassen.

Diesbezüglich verweisen wir auch auf einen kurzen Beitrag in der ARD Tagesschau vom 31.05.2017: https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-294031.html